Joachim Kühn, Piano/Alt-Saxophon
    & Matthias Eisenberg, Orgel

 



Hier werden die Traditionen gebrochen. Der bekannte Jazzpianist Joachim Kühn und der Meister der Improvisationen und berühmte Bachinterpret Matthias Eisenberg bieten eine Symbiose zwischen Klassik und Jazz in seiner interessantesten Form.

War J.S. Bach lange Jahre für Kühn unantastbar, wagt sich der große Pianist nun doch an die Umsetzung Bach'scher Musik in die Moderne.Seine eigenen Kompositionen reißen mit mächtigem Anschlag die Wände zwischen U - und E - Musik, zwischen Klassik und Jazz nieder.

"Joachim Kühn macht das Klavier zum physischen Erlebnis. Fast meint man, das Instrument müsste unter seiner Hand erzittern. Der Welt entrückt schüttelt der Virtuose die graue Mähne und entringt dem Flügel die Akkorde, zwischen denen in atemberaubender Geschwindigkeit die Töne umhersausen. Ein kreativer Ausbruch, eine Naturgewalt auf höchstem spieltechnischen und intellektuellen Niveau und dann doch wieder überraschend sensibel." schrieb Wolff v. Rechenberg in der HNAObwohl das Programm für die geplante Kirchentournee noch in Arbeit ist, sind wir gewiss, dass Joachim Kühn und Matthias Eisenberg etwas Besonderes schaffen werden, eine Novität, auf die wir alle gespannt sein dürfen, treffen doch hier zwei wahre Meister aufeinander.Auf die Improvisationen über Noten dürfen sich die Konzertbesucher als zusätzliches Bonbon besonders freuen, denn begleitend zum Konzert wird Joachim Kühn eine Auswahl seiner schönsten Bilder im Konzertraum ausstellen.

Joachim Kühn - Biographie Dave Brubeck in einem Interview der Zeitschrift Jazz Thing über Joachim Kühn:"Aber es gibt inzwischen eine Menge Typen, die noch wesentlich kompliziertere Sachen komponieren, weitaus raffiniertere Läufe erfinden, als ich es jemals zu tun imstande bin. Ich denke da an einen deutschen Pianisten ... der erst vor kurzem mit Ornette Coleman ein Duoalbum aufgenommen hat: Joachim Kühn!Das ist einer, der verfügt über alle Fähigkeiten, die meinem Grundverständnis von modernem Piano entsprechen. Mich würde interessieren, wie er über mich denkt."Mit seinem Spiel, das sich über alle Kategorien hinwegsetzt, profilierte er sich zu einem Musiker von Weltklasse. Im zeitgenössischen Jazz hat der Pianist Joachim Kühn bereits markante Spuren hinterlassen und er hat neue Wege gewiesen.

Als Komponist und Improvisator bezieht er sich auf europäische und amerikanische Quellen. Der musikalische Weltbürger Joachim Kühn weiß sich der Klangsprache der Gegenwart verpflichtet, ist aber auch der großen Tradition der Konzertmusik und der weit verzweigten Geschichte des Jazz verbunden. Joachim Kühn offenbart Vehemenz und Sensibilität, virtuose Technik und Phantasie, eine unverwechselbare Anschlagskultur und einen untrüglichen Sinn für Dynamik. Im Interplay mit langjährigen musikalischen Partnern, in immer neuen und oft auch ungewöhnlich herausfordernden Spielkonstellationen oder, ganz auf sich gestellt, in seinen Solokonzerten gelingt es Joachim Kühn, eine besondere Spannung zu schaffen und die Musik zum Ereignis zu gestalten.

Mag auch manche Station auf dem Weg von Leipzig, wo Joachim Kühn 1944 geboren wurde, über Lebensphasen in Frankreich und in Amerika wie ein Umweg erscheinen - die musikalische Laufbahn des Pianisten lässt nicht nur Zielstrebigkeit, sondern auch eine - oft erst später bewusst werdende - Folgerichtigkeit erkennen. Bereits in jungen Jahren als Konzertpianist hervortretend und klassisch bestens ausgebildet, begann sich Joachim Kühn unter dem Einfluss seines älteren Bruders, des Klarinettisten Rolf Kühn, für den Jazz zu begeistern. Bereits mit 17 Jahren entschloß sich der Pianist für den Beruf des Jazzmusikers. Mit seinem ersten, 1964 gegründeten Trio, spielte er eine Musik, die mit ihrer Öffnung zur freien Improvisation der damaligen Zeit weit vorauseilte. 1966 kehrte Joachim Kühn nach der Teilnahme eines von Friedrich Gulda organisierten Wettbewerbs für junge Jazzmusiker nicht mehr in die DDR zurück.

Noch im selben Jahr spielte er - gemeinsam mit Rolf Kühn - bei den Berliner Jazztagen und auf dem Newport Jazzfestival. Gleich nach dem Erfolg beim herausragenden amerikanischen Festival ergab sich eine weitere Chance. Mit Rolf Kühn und dem Coltrane - Bassisten Jimmy Garrison nahm der Pianist ein Album für das Label Impulse auf.Von 1968 an wohnte Joachim Kühn in Paris, wo er mit stilistisch unterschiedlichen Musikern wie Gato Barbieri, Don Cherry, Michel Portal, Slide Hampton und Phil Woods zusammenarbeitete. Anfang der siebziger Jahre begann Joachim Kühn eine intensive Beschäftigung mit elektrischen Keyboards. Parallel zur Mitwirkung in Gruppen wie Jean - Luc Ponty Experience und Association P.C. hat Joachim Kühn aber immer auch akustisch gespielt, schon damals übrigens im Trio mit dem Bassisten Jean - Francois Jenny -Clark und dem Schlagzeuger Daniel Humair.In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre tauchte Joachim Kühn in die Fusion - Szene der amerikanischen Westküste ein, wo man ihn im Kreise von Musikern wie Alphonse Mouzon, Billy Cobham und Michael Brecker hörte. Aber auch ein Saxophonist wie Joe Henderson wollte für die Einspielung seines Albums "Black Narcissus" nicht auf Joachim Kühn verzichten. Über eine kurze Phase in New York kam der Pianist Anfang der achtziger Jahre nach Hamburg.

In dieser Zeit begann die Konzentration auf das akustische Piano. 1985, nun wieder bei Paris ansässig, reaktivierte Joachim Kühn das Trio mit Jean - Francois Jenny - Clark und Daniel Humair, das seither zu den musikalischen Konstanten zählt. In der Zusammenarbeit mit dem Studioelektronikspezialisten Walter Quintus am Soundboard entstand 1989 die Ballettmusik "Dark" für die Choreographin Carolyn Carlson, die CD "Get Up Early" (1991) und schließlich auch die Musik für das gleichnamige Tanzstück des Tanz - Forums Köln. 1997 komponierte und spielte Joachim Kühn die Musik für "Citizen Kane", ebenfalls ein Tanzstück von Joachim Ulrich für das Kölner Tanz - Forum.Die Zahl der Alben, CDs und LPs, die Joachim Kühn unter eigenem Namen einspielte, beläuft sich mittlerweile auf über vierzig. Auf mehr als 150 Tonträgern ist er als Sideman zu hören, überwiegend in hochprominenter Umgebung.

Als kleiner Auszug aus der langen Liste derer, mit denen Kühn aufnahm, seien nur einige wenige genannt: Stan Getz, Lee Konitz, Jackie McLean, Charlie Mariano, David Liebman, Niels - Henning Orsted - Pedersen, Albert Mangelsdorff, Chick Corea ... .1991, im Jahr seines 30. Jubiläums als Profimusiker, kam es zu zwei gefeierten Großprojekten: eine Produktion des Trios Kühn // Humair /Jenny - Clark und der WDR Big Band sowie einer All - Star - Band, u.a. mit Rolf Kühn, Randy Brecker, Palle Mikkelborg, Albert Mangelsdorff, Joe Lovano und Christof Lauer. Im gleichen Jahr realisierte der Pianist einen Kompositionsauftrag für das Festival in Grenoble. Zu den zahlreichen Platteneinspielungen Joachim Kühns in den neunziger Jahren zählen "Thinking Jazz" mit der Voka l- Diva Eartha Kitt sowie das Solo - Album "Famous Melodies", auf dem der Pianist auch mit der Neugestaltung im Jazz selten gehörter Titel überrascht. Für Verve /Polygram spielte er im Trio Kühn / Humair /Jenny - Clark das Album "Dreigroschenoper" mit eigenwilligen Ausdeutungen der Musik von Kurt Weill ein. Beide CDs, "Famous Melodies" und "Dreigroschenoper", wurden mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Im Juni 1996 lud Ornette Coleman Joachim Kühn erstmals zu einem Duo - Konzert ein. Dem sensationell und begeistert aufgenommenen Auftritt zum Festival in Verona folgten weitere, u.a. zu den Leipziger Jazztagen, wo der Live - Mitschnitt für das Duo - Album bei Verve entstand. Neben dem indirekten, über Jimmy Garrison vermittelten Kontakt zu John Coltrane verbindet Joachim Kühn nun auch eine unmittelbare Zusammenarbeit mit einem der legendären amerikanischen Jazz - Innovatoren. Inzwischen ist Kühn auch festes Mitglied im Quintett von Ornette Coleman.Nach dem international beachteten Zusammentreffen Joachim Kühns mit Ornette Coleman zu den Leipziger Jazztagen 1996 wendete sich der in Leipzig aufgewachsene Pianist nun jener Musik zu, die ihn bereits früh geprägt hat. Das Konzert mit Joachim Kühn und dem Thomanerchor, das speziell für die Leipziger Jazztage 1998 initiiert wurde und in der Nikolaikirche, einer der ehemaligen Wirkungsstätten Johann Sebastian Bachs, seine Uraufführung erlebt, thematisiert in einem auf die Gegenwart übertragenen Sinne ein in der Tradition verwurzeltes und doch auch zu innovativer Klangsprache drängendes Motto von Bach. Am 21.03.99 erfolgte eine Wiederauflage des erfolgreichen Jazztage Konzertes in Leipzig.Was die Spielweise als Pianist, seine Klangsprache auf dem Klavier anbelangt, so gilt Joachim Kühn heute im Kreis der Kollegen wie auch für ein internationales Publikum als einer der großen Jazzmusiker unserer Zeit.
Bert Noglik

Matthias Eisenberg stammt aus einem traditionsreichen, musikalischen Umfeld: 1956 wurde er in Dresden geboren. Seit seinem fünften Lebensjahr erhielt er Klavierunterricht und nach den ersten Versuchen an der Orgel war er schon ab dem neunten Lebensjahr Organist in seiner sächsischen Heimatstadt und an verschiedenen umliegenden Kirchengemeinden sowie dann fünf Jahre lang Mitglied des Dresdner Kreuzchores. Er studierte in Leipzig an der Hochschule "Felix Mendelssohn Bartholdy" bei Wolfgang Schetelich. Eisenberg war Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe. Auf der Grundlage seines umfassenden, jederzeit abrufbereiten Repertoires hatte er sich eine für einen Organisten ungewöhnliche Popularität erspielt. Zudem gilt er als Meister der freien Improvisation. Bei zahlreichen Orgelneubauten und -renovierungen wird er als Orgelspezialist hinzugezogen.

1980 wurde er als Gewandhausorganist zu Leipzig verpflichtet, wo er gleichzeitig Cembalist des Leipziger Bachorchesters war. 1986 erfolgte die Übersiedlung in den Westen. Nach kirchenmusikalischer Tätigkeit in Frankfurt am Main und Hannover konzertierte er als Organist und Cembalist und spielte zahlreiche Rundfunk- und CD-Produktionen ein. Konzertreisen führen ihn in viele europäische Länder, außerdem in die USA, nach Kanada, Lateinamerika, Indien, Russland und Fernost. Von 1992 bis 2004 war Eisenberg Kirchenmusiker an St. Severin in Keitum / Sylt. Von dort aus setzte er seine Konzerttätigkeit auf dem Festland unvermindert fort. Zu einem geradezu triumphalen Erfolg wurde im Januar 2001 sein erster Auftritt nach 15 Jahren im Leipziger Gewandhaus: In dem seit Wochen ausverkauften Haus erklatschte sich das Publikum mit stehenden Ovationen eine Zugaben-Serie von mehr als einer Stunde.

Im Jahre 2003 wurde Matthias Eisenberg zum Professor und Kirchenmusikdirektor ernannt. Seit November 2004 ist er Kantor und Organist an der Luther-, Moritz- und Johanniskirche in Zwickau.