Giora Feidman, Klarinette &
Matthias Eisenberg, Orgel

"Musik die aus der Seele kommt":
Klezmer-Musik trifft auf Klassik

 



Mit dem Zittern seiner Lippen drückt er die schönsten Melodien durch das Holz. Mit einem einzigen Atemzug lässt er unzählige Melodien erklingen. ( FAZ )

Weltstar Giora Feidman wird nicht zu Unrecht als der König des Klezmer gefeiert. Der 1936 in Buenos Aires geborene Künstler spielte bereits im Alter von 20 Jahren im Israel Philharmonic Orchestra, einem der renommiertesten Orchester der Welt, dem er mehr als 18 Jahre lang angehörte. Nach vielen internationalen Erfolgen spielte er u. a. 1984 die Hauptrolle in Peter Zadeks Produktion zu Joshua Sobols "Ghetto", das in Berlin zum Stück des Jahres gewählt wurde. In späteren Jahren wirkte Feidman außerdem als Musiker und Schauspieler z. Bsp. in den Filmen "Jenseits der Stille" und "Schindlers Liste" mit. 1994 veröffentliche der Künstler seine erste in Deutschland erschienene Schallplatte auf Pläne-Records, eine überall gefeierte Tournee folgte ein Jahr später.

Seitdem spielt der heute in New York lebende Künstler regelmäßig vor ausverkauften Häusern. Giora Feidman spielte als erster Künstler vor dem Deutschen Bundestag, trat als Headliner bei großen Festivals auf, wurde mehrmals im Fernsehen porträtiert und wurde so zum Botschafter eines bislang unbekannten Klanges: der Klezmer-Musik. Feidmanns ebenso technisch-virtuoses wie emotionales Klarinettenspiel sind in der Musikwelt einzigartig. Eine Vielzahl von CD-Einspielungen sind vor allem im Pläne-Verlag und bei Koch Records erschienen und zeugen von der einzigartigen Sensibilität dieses Ausnahmekünstlers. Die aktuelle Tournee wird Giora Feidman und seinen Orgelpartner Matthias Eisenberg durch ausgesuchte Konzertkirchen in Deutschland führen. Diese Tournee mit Giora Feidman wird wohl erneut ein Highlight im Konzertjahr sein, denn schon im weiten Vorfeld des Ereignisses ist das Interesse des Konzertpublikums riesengroß. Eine Folgetournee ist bereits in Planung.

Klezmer-Musik, ein großes Erbe der osteuropäischen jiddischen Kultur, schien lange Zeit nach der Shoa und der Zerschlagung des Ostjudentums in Vergessenheit geraten zu sein. Sie wurde jedoch von den großen Auswanderungswellen seit Anfang ds 20. Jahrhundert nach Nord- und Südamerika getragen oder in Europa und Israel von Überlebenden bewahrt. "Klezmer" ist das hebräische "kli zemer", was "Instrument oder Gefäß des Liedes" bedeutet, jedoch mehr meint als das Instrument, mit dem der Musiker spielt: der Musiker selbst ist das gefäß, aus dem das Lied kommt. Diese oft leidenschaftliche, freudige, aber auch klagende, melancholische Musik zu Festen der jüdischen Gemeinde ist nicht nur Ausdruck der Lebensfreude sondern zugleich chassidisches Gebet. Anfang der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts verließ Giora Feidman, als Sohn jüdischer Einwanderer in Argentinien geboren, das Israel Philharmonic Orchestra, dem er 20 Jahre lang angehörte, um eine weltweite Renaissance der Klemer-Tradition zu starten.

Bereichert um die vielfältigen Stile und Richtungen klassischer und moderner Musik, die auch Jazz und Soul einbezieht, vermittelt er Musik als "eine Sprache der innersten Seele", die von allen Menschen verstanden werden kann, die Mittel zu politischer und kultureller Verständigung jenseits aller Grenzen. Musik, die aus der Seele kommt, das ist die ureigenste Interpretation einer Komposition durch den Musiker: was er denkt, fühlt, nachspürt, auszudrücken versucht. Er gibt sein Wissen, sein Können, seinen Atem, seinen ganzen Körper, sich selbst. Am vollkommensten geschieht das bei der Improvisation. Ein Thema, eine Melodie wird zum Anlaß, mit dem Reichtum der Phantasie alles zu geben, was in der Seele ist, Freude oder Schmerz, Glück oder Last, Humor oder Trübsinn, Schwermut oder Hoffnung. Mit all diesen Emfindungen ist es zuletzt auch Gespräch mit Gott. Und Dank an Ihn: Soli Deo Gloria

Giora Feidman, 1936 in Argentinien als Sohn jüdischer Einwanderer aus Bessarabien geboren. Aufgewachsen in der über vier Generationen reichenden Klezmer-Tradition seiner Familie. Er erhielt eine klassische Ausbildung für die Klarinette. Mit 18 Jahren Aufnahme in das Orchester des Teatro Colon in Buenos Aires. Zwei Jahre später Berufung in das Israel Philharmonie Orchestra Tel Aviv. Anfang der siebziger Jahre Wechsel nach New York und Begründung der weltweiten Renaissance der Klezmer-Musik. Im umfangreichen klassischen und zeitgenössischen Repertoire Zusammenarbeit mit namhaften Orchestern. Weltweit Gastspiele mit seinem Ensemble (Klarinette, Gitarre, Kontrabaß und Percussion), aber u. a. auch mit dem Kronos-Quartett, Arditti-Quartett und dem Cleveland Quartett.

1984 Mitwirkung in Peter Zadeks "Ghetto"-Inszenierung seitdem Einsatz für den Versöhnungsprozess zwischen Deutschen und Juden als beispielgebende Funktion für den Frieden auf der Welt. Zusammen mit Itzhak Perlman spielte er die Musik zuSpielbergs "Schindlers Liste und hatte zentrale Auftritte in den Filmen "Jenseits der Stille" und "Comedian Harmonists". Zahlreiche Rundfunk-, Fernseh-, Theater- und CD-Produktionen.

Matthias Eisenberg stammt aus einem traditionsreichen, musikalischen Umfeld: 1956 wurde er in Dresden geboren. Seit seinem fünften Lebensjahr erhielt er Klavierunterricht und nach den ersten Versuchen an der Orgel war er schon ab dem neunten Lebensjahr Organist in seiner sächsischen Heimatstadt und an verschiedenen umliegenden Kirchengemeinden sowie dann fünf Jahre lang Mitglied des Dresdner Kreuzchores. Er studierte in Leipzig an der Hochschule "Felix Mendelssohn Bartholdy" bei Wolfgang Schetelich. Eisenberg war Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe. Auf der Grundlage seines umfassenden, jederzeit abrufbereiten Repertoires hatte er sich eine für einen Organisten ungewöhnliche Popularität erspielt. Zudem gilt er als Meister der freien Improvisation. Bei zahlreichen Orgelneubauten und -renovierungen wird er als Orgelspezialist hinzugezogen.

1980 wurde er als Gewandhausorganist zu Leipzig verpflichtet, wo er gleichzeitig Cembalist des Leipziger Bachorchesters war. 1986 erfolgte die Übersiedlung in den Westen. Nach kirchenmusikalischer Tätigkeit in Frankfurt am Main und Hannover konzertierte er als Organist und Cembalist und spielte zahlreiche Rundfunk- und CD-Produktionen ein. Konzertreisen führen ihn in viele europäische Länder, außerdem in die USA, nach Kanada, Lateinamerika, Indien, Russland und Fernost. Von 1992 bis 2004 war Eisenberg Kirchenmusiker an St. Severin in Keitum / Sylt. Von dort aus setzte er seine Konzerttätigkeit auf dem Festland unvermindert fort. Zu einem geradezu triumphalen Erfolg wurde im Januar 2001 sein erster Auftritt nach 15 Jahren im Leipziger Gewandhaus: In dem seit Wochen ausverkauften Haus erklatschte sich das Publikum mit stehenden Ovationen eine Zugaben-Serie von mehr als einer Stunde.

Im Jahre 2003 wurde Matthias Eisenberg zum Professor und Kirchenmusikdirektor ernannt. Seit November 2004 ist er Kantor und Organist an der Luther-, Moritz- und Johanniskirche in Zwickau.